Geschichte der Phytotherapie
![]()

Tafel Herr Dipl. Psych. A. Schmidt
60.000 Jahre v. Chr. in EUROPA
Neandertaler: pflanzliche Grabbeigaben, heute als Aphrodisiaka bekannt
5.000 Jahre v. Chr. in ASIEN, Mesopotanien – Zweistromland
Sumerer: »Kraut«=»Medizin«, bekannt waren Süßholz, Lorbeer, Bilsenkraut, Lattich, Kümmel, Thymian u. a.
3.000 Jahre v. Chr. in ASIEN, China
chinesischer Kaiser Shen-Nung: ihm zugeschriebenes Kräuterbuch enthält 239 Pflanzen
ca. 1.550 Jahre v. Chr. in AFRIKA, Ägypten
»Papyrus Ebers«: 20 Meter lange Schriftrolle enthält 877 Rezepte aus ägyptischem Medizinwissen;
Ähnliches bei Medern, Persern, Indern gefunden
ca. 1.000 Jahre v. Chr. in ASIEN, Indien
Ayurveda-Medizin: Heilpflanzentherapie bei »Disharmonie«(=Krankheit)
ca. 430 Jahre v. Chr. in EUROPA, Griechenland
Hippokrates : beschreibt mehrere 100 Heilpflanzen;
therapeutischer Schwerpunkt eher diätetisch
um 345 v. Chr. in EUROPA, Griechenland
Aristoteles : »Theorie der Pflanzen« (wissenschaftliche Beschäftigung mit Pflanzen)
Theophrastos v. Eresus: mehrere Werke über Pflanzen; gilt als »Vater der Botanik«
ca. 70 Jahre n. Chr. in EUROPA, Rom
Plinius der Ältere: vielbändige Naturgeschichte: ausführliche pflanzliche und tierische Drogensammlung, jedoch stark mit Aberglauben vermischt, im Folgenden wurde hier viel abgeschrieben
ca. 80 Jahre n. Chr. in EUROPA, Griechenland
Dioskurides : »Große Arzneimittellehre« mit ca. 500 Heilpflanzen, ein bis ins Mittelalter gültiges wissenschaftliches Standardwerk der Pflanzenanwendungen (exakte Beschreibung der Pflanzen, deren Zubereitung und Indikation)
ca. 800 Jahre n. Chr. in MITTELEUROPA
Karl der Große: Landgüterordnung »Capitulare de villis«, befiehlt Heil- und Nutzpflanzenanbau, ca. 80 Pflanzen, darunter Anis, Artischocke, Baldrian, Dill, Eibisch, Endivien, Flaschenkürbis, Gurke, Kerbel, Knoblauch, Koriander, Kresse, Malve, Mangold, Melone, Pastinak, Porree, Rettich, Schnittlauch, Zwiebeln (vgl. auch Burg- und Klostergärten)
ca. 8.–13. Jh. n. Chr. in ASIEN, Arabien
Hochblüte der arabischen Medizin: Synthese aus persischer, indischer, abendländischer Heilkunde sowie eigene Beiträge;
bedeutende arabische Ärzte: Rhazes, Avicenna (großer Einfluss auf Europa), G. von Cremona übersetzt Rhazes und Avicenna
um 1130 n. Chr. in EUROPA, Hl. Röm. Reich Dt. Nation
Hildegard von Bingen: Einführung deutscher Pflanzennamen
um 1150 n. Chr. in EUROPA, Hl. Röm. Reich Dt. Nation
Valerius Cordus: verfasst das erste amtliche Arzneibuch nördlich der Alpen
16. Jh. n. Chr. in EUROPA, Hl. Röm. Reich Dt. Nation
Otto Brunfels, Leonhard Fuchs, Hieronymos Bock: Verfasser bedeutender Kräuterbücher
Paracelsus: Naturforscher und Arzt voller Widersprüche: sieht Experiment und Beobachtung als Grundlage der Heilkunde, hängt aber stark an Mystik und Aberglaube (vgl. Signaturenlehre)
19. Jh./ 20. Jh. in EUROPA
Wirkungsnachweis und Isolation von Pflanzeninhaltsstoffen gelingen, Laboratorien lösen sich aus Dunstkreis der Alchemie und »Hexenküchen«, werden zu Wirkungs- und Forschungsstätten der Chemie bzw. Pharmazie
1805 in EUROPA, Hl. Röm. Reich Dt. Nation
Friedrich W. Sertürner: Morphin aus Opium
1818 in EUROPA, Frankreich
Pierre J. Pelletier: Chlorophyll und Strychnin
1819 in EUROPA, Deutschland
F. F. Runge: Coffein, Chinin
1891 in EUROPA, Deutschland
Kiliani : Digitoxin aus dem Roten Fingerhut
1928 in EUROPA, Schottland
A. Fleming: Penicillin aus einem Schimmelpilz
um 1920
- zunehmende Verdrängung der Heilpflanzen durch pharmazeutische Chemie (Industrie): Vorteil standardisierter Wirkstoffe und sicherer Dosierung mit »garantierter« Wirkung.
- Jedoch nicht alle relevanten pflanzlichen Verbindungen ließen und lassen sich synthetisieren.
- Häufig gelingen weitere Synthesewege nur, wenn der Rohstoff pflanzlich gewonnen wird (Halbsynthese).
- Weiterhin treten uns Pflanze und Inhaltsstoff als organisch gewachsenes Produkt entgegen: Die Gesamtheit der Inhaltsstoffe steht durch gegenseitige Abschwächung, Verstärkung, Resorptionsbeschleunigung oder -hemmung und andere Wechselwirkungen miteinander in einer ausgewogenen, für die Gesamtpflanzenwirkung typischen Relation! Dies führt zu einer Verträglichkeit und Wirksamkeit der Heilpflanzenzubereitung, die mit dem chemisch gewonnenen »standardisierten« Einzelstoff häufig nicht zu erreichen war/ist!
- So entstand zeitgleich die wissenschaftliche Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), denn: Die Wirkung der Pflanze ist oftmals mehr als die Summe der Einzelbestandteile!
- Heilpflanzen mit ihren vielfältig kombinierten Inhaltsstoffen stellen komplexe Heilmittel dar!
Mitte 20./Anfang 21. Jh.
- »Altmeister« der wissenschaftlichen Arzneipflanzentherapie und Ehrenpräsident der Gesellschaft für Phytotherapie Dr. Rudolf Weiß: »Die Phytotherapie ist eine eigene Wissenschaft, ein weitgehend selbständiges Teilgebiet der Medizin geworden …«
- Zunehmende Forschungen auf dem Gebiet der Phytotherapie bringen fundiertere, damit sichere und neue Anwendungsmöglichkeiten. Dies betrifft bspw. Pflanzen wie Weißdorn und Mistel oder Inhaltsstoffe wie Flavonoide oder Hox-
Alpha.- Die Synthese dieser Erkenntnisse ins therapeutische Spektrum schafft neue Berührungspunkte zur klassischen Schulmedizin. Der ganzheitliche Therapieansatz wird gestärkt.
- Die heutige Renaissance der Heilkräuteranwendungen ist mehr als nur Trend, Mode oder Mystik. Phytotherapie ist eine effiziente Struktur im Gebäude moderner Medizin.
- In einer Zeit wachsender Umweltbelastungen, die zunehmend alle Lebensbereiche durchdringen, verstärkt sich der Wunsch des Menschen nach natürlicher, »vernünftiger« Behandlung. Wer sich selbst als Teil des Großen und Ganzen, des gewachsenen natürlichen Systems versteht, dem erscheint es auch nur logisch, sich selbst in den vielen möglichen
Fällen biologisch behandeln zu lassen.
Dipl.-Psych. A. Schmidt, Heilpraktiker, Marienberg, Mai 2007
Anmerkung: Hl. Röm. Reich Dt. Nation = Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation,
von 962–1806




